UVIS im Interview

„Sauber und sicher nach oben“

Tanja Nickel und Katharina Obladen sind Gründerinnen und Geschäftsführerinnen des Startups UVIS UV-Innovative Solutions GmbH aus Köln. Mit ihrem Produkt ESCALITE haben sie ein patentiertes Desinfektionsmodul für die Handläufe von Fahrtreppen entwickelt. GATEWAY hat die innovativen Gründerinnen auf ihrem Weg begleitet und unterstützt. Valerie Lukassen von GATEWAY unterhielt sich mit Tanja Nickel über die Erfolgsgeschichte von UVIS.

Wie kamt ihr auf die eure Gründungsidee?

Meine Mit-Gründerin, Katharina Obladen, und ich kennen uns schon seit unserer Schulzeit. In der 12. Klassen haben wir an einem Wirtschaftswettbewerb für Schüler*innen teilgenommen und uns daher nach aktuellen und gesellschaftsrelevanten Themen umgeschaut. Damals war die Schweinegrippe ein Riesenthema. Wir erfuhren, dass Handläufe von öffentlichen Rolltreppen eine Hauptinfektionsquelle für Grippeviren sind. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Menschen, die sich aus Ekel vor Krankheitserregern am Handlauf nicht festhalten wollen. Das erhöht die Gefahr von Unfällen und Stürzen. Rolltreppen sind gefährliche Maschinen, das fällt uns aber gar nicht mehr auf, weil wir sie täglich nutzen! Wir suchten nach einer Möglichkeit, die Sauberkeit und Sicherheit auf Rolltreppen zu erhöhen – und fanden UV-C-Licht.

Was genau ist die Innovation in ESCALITE?

Wir desinfizieren Rolltreppen-Handläufe mithilfe von UV-C-Licht. Das hat gegenüber klassischen Desinfektionsmitteln viele Vorteile. Flüssige Desinfektionsmittel sind bei Rolltreppen nicht nutzbar, weil die Chemikalien den Kunststoff der Handläufe angreifen würden. Die Flüssigkeit hinterlässt Rückstände und müsste außerdem regelmäßig nachgefüllt werden. Generell sind Rolltreppen recht reparaturanfällig, Feuchtigkeit schadet auf Dauer der Mechanik der Rolltreppe. Zudem wirken solche Mittel nie gegen alle Keime, denn Mikroorganismen können resistent werden. In New York wird schon lange das Leitungswasser durch UV-C-Licht desinfiziert, weil dieses Licht entkeimende Wirkung. UV-C-Licht zerstört die DNA von Mikroorganismen, die Erreger werden vernichtet und können dadurch auch nicht resistent werden. Wir nutzen all diese Eigenschaften für die Rolltreppen. Unser ESCALITE-Desinfektionsmodul ist zudem umweltfreundlich, robust und die Lampen müssen je nach Einsatz nur alle drei bis vier Jahre gewechselt werden. Das Interesse bei potentiellen Kunden war von Anfang an groß. Deswegen sind wir drangeblieben, haben unser Produkt entwickelt und die Patentanmeldung weiterverfolgt…

Inzwischen seid ihr die absoluten Expertinnen auf diesem Spezialgebiet. Woher hattet ihr das Know-how?

Wir haben uns unser Wissen und Können Schritt für Schritt eigenständig angeeignet. Das Thema ist so speziell, dafür gibt es keinen Studiengang. Neben Abitur und Studium sind wir konsequent am Thema geblieben, haben uns selbständig immer tiefer eingearbeitet und uns intensiv mit Fachleuten, Kunden und Zulieferern ausgetauscht. So konnten wir über Jahre unser sehr spezielles Fachwissen aufbauen und den Transfer zum serienreifen Produkt leisten. Wir kennen unser Produkt bis zum kleinsten Detail und könnten es selbst im Schlaf auseinanderbauen und wieder zusammenlöten.

Unsere Studienwahl haben wir übrigens bewusst unabhängig von unserem Gründungprojekt getroffen. Ich habe Jura in Köln studiert und Katharina BWL sowie Kunstgeschichte in Bochum – das war eine Herzensentscheidung. Seit unseren Studienabschlüssen im Jahr 2016 arbeiten wir beide Vollzeit für unser Startup.

Was war bisher für UVIS die größte Herausforderung und wie habt ihr sie gemeistert?

Am Anfang unseres Gründungsprojekts waren wir noch wirklich jung – eben Schülerinnen bzw. Studienanfängerinnen. Einige unserer Kunden und Zulieferer waren Männer mittleren Alters, die hätten unsere Väter sein können. Da war es für uns manchmal eine Herausforderung als Geschäftspartnerinnen wirklich ernst genommen zu werden. Zudem sind weibliche Gründer im Technik-Bereich nicht oft anzutreffen. Inzwischen ist das kein Thema mehr; wir bringen so viel Fachkompetenz, Routine und Selbstbewusstsein mit, da stellt uns keiner infrage.

Inwiefern hat das GATEWAY die Gründung von UVIS unterstützt?

Das waren mehrere Aspekte. Ich erinnere mich noch gut an den NUK-Gründungswettbewerb und die vielen Tipps, die wir von den GATEWAY-Berater*innen bekommen. Wir haben seit Mitte 2015 im GATEWAY gearbeitet, oben rechts über der Teeküche war unser Platz und unser zweites Zuhause zum Gründen und Denken. In den Besprechungsräumen konnten wir uns mit Business Angels austauschen und für Investments gewinnen. Für mich war in der Examenszeit die zentrale Lage in der Ägidiusstraße super, da konnte ich tagsüber in der Universitäts- und Stadtbibliothek lernen und nachmittags zu Fuß zum meinem Gründungsprojekt in GATEWAY gehen.

Was sind eure Ratschläge für Gründungsinteressierte?

Überdenkt euer Geschäftsmodell immer und immer wieder, stellt eure Ideen und Produkte infrage. Was heute gut klappt, funktioniert morgen vielleicht nicht mehr! Haltet mit euren Ideen und Schwierigkeiten nicht hinterm Berg, sondern stellt Fragen, sucht Gespräche, tauscht euch mit Anderen aus – das bringt euch wirklich voran!

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zu UVIS gibt es hier.