Design Thinking – Die Kreativmethode für nutzer:innenzentrierte Innovationen


Der Studienbeginn in Zeiten der Corona-Pandemie stellt Studierende vor ganz neue Herausforderungen.
Wie lernt man Kommiliton:innen kennen, wenn die Gespräche zwischen Vorlesungen oder der gemeinsame Gang in die Mensa wegfallen?

Nun stellt sich die Frage nach neuen Wegen, welche es den Studierenden ermöglichen sich im digitalen Raum kennenzulernen und auszutauschen.

Bachelorstudierende der Wirtschaftsinformatik an der Universität zu Köln haben sich unter Anwendung eines Design Thinking Workshops genau diesem Problem gewidmet. Im Rahmen eines zweiwöchigen Vorkurses der Veranstaltung „Capstone Project – Information Systems“ geben die Dozenten Phil Hennel und Mario Müller des Lehrstuhls von Prof. Dr. Christoph Rosenkranz den Bachelorstudierenden die entsprechenden Werkzeuge an die Hand, um erfolgreiche kundenzentrierte Softwareprodukte agil zu entwickeln.

Für den Praxistransfer haben die beiden in Kooperation mit Dr. Nicolas Meier vom Gateway Exzellenz Start-Up Center und den Design Thinking Expert:innen Dominic Land und Giulia Meurer von Erlkoenig zusammengearbeitet.

Erlkoenig hat dafür gemeinsam mit Gateway ESC einen Workshop konzipiert, mit dem die Studierenden in fünf Phasen den gesamten Prozess der agilen Software- und Produktentwicklung erleben, um für das Problem des studentischen Austausches und Kennenlernens eine Lösung zu finden.

Giulia Meurer war es dabei besonders wichtig, didaktisch systemisch vorzugehen: „Wir wollten mit den Studierenden einen Kontext schaffen, in dem sie ermutigt werden, Design Thinking spielerisch auszuprobieren, um die neu erlernten Fähigkeiten und Ressourcen im Anschluss selbstsicher anwenden zu können. Wir arbeiten mit den beiden Grundsätzen (1.) Mut haben, (2.) Fehler machen und aushalten können – wenn das transportiert wird, haben wir unser Ziel erreicht.”

Agile Software- und Produktentwicklung:
Das 5 Phasen Konzept

Design Thinking ist mehr als eine Methode, es handelt sich vielmehr um einen iterativen Prozess, bei dem die Nutzer:innen in den Mittelpunkt gestellt werden. Ziel ist es diese zu verstehen, um neue Wege und Mittel zu finden ein Problem von ihnen zu lösen.

In der Projektarbeit werden Teams interdisziplinär zusammengesetzt, um möglichst viele verschiedene Perspektiven einbringen zu können. Voraussetzung ist auch eine gewisse Experimentierfreudigkeit, da während des Durchlaufens der Phasen kontinuierlich neue Ideen generiert, die anhand von Prototypen visualisiert, dann getestet und im Anschluss angepasst werden.

Um die Methode für die Softwareentwicklung optimal zu nutzen, haben Gateway ESC und Erlkoenig den iterativen Prozess in fünf Phasen unterteilt, der nicht chronologisch befolgt werden muss. Vielmehr können und sollen die Phasen variabel durchlaufen werden, um sich der Lösung kontinuierlich anzunähern. So ergibt sich eine kreative Abwechslung zwischen Beobachtung, Interpretation, der Hypothesenbildung sowie dem spielerischen Ausprobieren.

Dr. Nicolas Meier

Dominic Land

Mario Müller

Giulia Meurer

Phil Hennel

Phil Hennel

  1. Verstehen und Lernen: In der ersten Phase helfen Methoden, wie qualitative oder explorative Interviews die Herausforderungen und Bedürfnisse zu identifizieren. Basierend darauf können Personas, also fiktive Charaktere beschrieben werden, die dabei helfen die Lebensumstände der Nutzer:innen zu verstehen.
  2. Ideen entwickeln: In der zweiten Phase geht es darum mit verschiedenen Kreativitätsmethoden, wie Brainstorming und -writing oder der SCAMPER Checkliste, schnell viele Ideen zur Lösung des Problems zu generieren. Diese werden dann erst im Anschluss auf ihr Potenzial geprüft und priorisiert.
  3. Prototypen schaffen: Hier geht es darum das gesammelte Wissen und die erarbeiteten Ideen zu visualisieren. Damit an den Nutzer:innen getestet werden kann, wird ein Prototyp benötigt. Mit Hilfe eines Verständnisprototyps oder eines Clickdummys, kann herausgefunden werden, ob die Ideen das Problem wirklich lösen.
  4. Prototypen testen: Nachdem der Prototyp erstellt wurde, soll er in der vierten Phase an Nutzer:innen getestet werden, damit echtes Feedback im Anschluss analysiert werden kann. Das hilft die entscheidenden Hinweise für anschließende Änderungen zu sammeln, um das finale Produkt qualitativ deutlich zu verbessern.
  5. Wachstum schaffen: In dieser Phase beginnt die Entwicklung des Produkts bzw. Services. Damit geht einher, dass die Lösung vor einem Kund:innenkreis gepitcht wird. Und es stellen sich die Fragen, wie die Lösung skaliert, weiterentwickelt und im besten Fall in das Kerngeschäft der Kund:innen integriert werden kann.

Als Transferscout des Gateway ESC hilft Nicolas Meier Wissenschaftler:innen und Studierenden der WiSo Fakultät innovative Gründungsideen zu realisieren und kennt die typischen kritischen Momente: „Es ist wichtig selbstbewusst von der eigenen Idee überzeugt zu sein. Allerdings hilft hin- und wieder ein Reality-Check und die ständige Überprüfung der Nutzer:innenperspektive, damit Wissenstransfer in Form einer Unternehmensgründung nachhaltig gelingt.”

Die angehenden Wirtschaftsinformatiker:innen haben in Kleingruppen alle Phasen durchlaufen und als Resultat eine Matchmaking Plattform entwickelt, die Studierende hinsichtlich Interessen und Studienfächer zusammenbringt. Als langjähriger Dozent des Vorkurses kennt Mario Müller die Herausforderungen, in die agile Denkweise einzusteigen: „Für Studierende ist es oft eine Herausforderung neben den anderen Kursen, Seminararbeiten und dem Nebenjob noch ausreichend Freiraum für kreatives Denken, wie wir in diesem Kurs fordern, zu finden”. Phil Hennel stimmt ihm zu: „Durch einen so strukturierten Prozess, wie ihn Design Thinking bietet, können wir den Studierenden einfache Hilfsmittel zur Hand geben, um den Einstieg deutlich zu erleichtern.”

Dominic Land, selbst ehemaliger Student der Universität zu Köln, Kölner Gründer und Geschäftsführer und immer darauf bedacht innovativ und möglichst einfach Probleme zu lösen, ist sich sicher: „Design Thinking hat die Möglichkeit nicht nur kurzfristig Arbeitsergebnisse, sondern vor allem langfristig Organisationskultur und Mindset zum Positiven zu verändern. Die Chance liegt in wertschätzender Arbeitsatmosphäre, konstruktiven Teams und dem Mut einfach zu denken. Und da Handeln und Denken bekanntermaßen eng miteinander verbunden sind, liegt in der Anwendung agiler Methoden auch immer eine Chance für die persönliche Entwicklung.“

„Durch einen so strukturierten Prozess, wie ihn Design Thinking bietet, können wir den Studierenden einfache Hilfsmittel zur Hand geben […] ”

„Design Thinking hat die Möglichkeit […] vor allem langfristig Organisationskultur und Mindset zum Positiven zu verändern.“