PLASTIC2BEANS – PLASTIKGRANULAT FÜR KAFFEE

Es begann mit einer Begegnung im Agrippa­Bad im April 2018: Der Che­miker Kalie Cheng war mit seiner Tochter schwimmen, da fragte ein kleiner Junge, ob er sich mal ihre Schwimmflügel ausleihen dürfe. Cheng und der Vater des Jungen – der äthiopische Geschäftsmann Abiye Dagnew – kamen miteinander ins Plaudern. Was sie damals noch nicht ahnten: Das war der Startschuss für ein gemeinsames Start­up, das sie zwei Monate später grün­den würden.

Plastic2Beans exportiert hoch­wertiges Plastikgranulat nach Äthiopien und importiert im Gegenzug erstklassigen Kaffee nach Deutschland. Im Juni 2018 zogen Cheng und sein Mit­gründer Dr. Thomas Giang mithilfe eines NRW­ Gründungsstipendiums in ein Büro im GATEWAY ein.

Dagnew war von Beginn an ihr Geschäftspartner auf äthiopischer Seite. Der Kölner ist schon längere Zeit im Bereich Import/Export für kunststoffverar­beitende Maschinen nach Äthiopien tätig. Dort ist es bislang unüblich, Plastik syste­matisch zu recyceln. Es fehlt an der grund­legenden Technik und dem Know­how dazu. Cheng hatte vor drei Jahren seine Pro­motion in Polymerchemie an der Mathe­matisch­Naturwissenschaftlichen Fakultät abgeschlossen und danach in einer kleinen Forschungs­ und Entwicklungsfirma gear­beitet. Während seiner Elternzeit wurde ihm klar, dass er gerne in einem Bereich arbeiten möchte, der Nachhaltigkeit vorantreibt.

Mit Plastic2Beans können er und sein Team nun Wertstoffe aus Deutschland weiterverkaufen. »Wir laden in Äthiopien aber nicht unse­ren Müll ab, sondern liefern hochwertige Granulate, die vor Ort zu Rohren verarbei­tet werden«, sagt Cheng. Neben der Liefe­rung des Kunststoffgranulats unterstützt Plastic2Beans durch Schulungen vor Ort und den Export von Maschinen den Aufbau einer lokalen Recyclingwirtschaft.

Äthiopien belegt schon seit einigen Jah­ren Spitzenpositionen im weltweiten Wirt­schaftswachstum. Anfang 2018 ist eine neue Regierung ins Amt gekommen, die das Land weiter reformiert und mit dem langjährigen Feind Eritrea Frieden geschlossen hat. Der Handel blüht und es herrscht Aufbruchs­stimmung in dem ostafrikanischen Land, das früher von Hungersnöten und Gewalt geprägt war.

Da Äthiopien jedoch kaum über Devisen verfügt, wickelt Plastic2Beans seine Geschäfte in der Landeswährung Birr ab: Kunststoffgranulat wird verkauft, Kaffeebohnen eingekauft. In Deutschland vertreibt das Team den Kaffee in Betrieben, in ihrem Webshop oder auf lokalen Märkten in Köln. In Zukunft werden sie die Bohnen auch nach China und Taiwan exportieren – dort erlebt Kaffee gerade einen Boom.

Plastic2Beans entwickelt keine neue Technologie. Aber das Start­up ermöglicht mehr Umweltschutz und faire Arbeitsbe­dingungen in Äthiopien. Cheng resümiert: »Unser Unternehmen bringt keine techni­sche, sondern eine soziale Innovation auf den Markt: Wir wollen ein gesellschaft­liches und ökologisches Problem wirt­schaftlich lösen.«

Artikel: Uni Magazin – Mai 2019
JÜRGEN REES, ROBERT HAHN UND EVA SCHISSLER