Möbelfirst im Interview

„Bei Risiken entstehen auch Chancen“

Christoph Ritschel von MöbelFirst verkauft Premium-Ausstellungsmöbel im Internet

Der Möbelhandel in Deutschland erlebt derzeit einen Umbruch. Große Möbelhäuser liefern sich einen Verdrängungswettbewerb. Zusätzlich verlagert sich der Möbelverkauf auch immer mehr ins Internet. Die GATEWAY-Alumni Christoph Ritschel und Dennis Franken von MöbelFirst sind mit ihrem innovativen Unternehmenskonzept im Möbelhandel erfolgreich.

Valerie Lukassen von GATEWAY sprach mit Christoph Ritschel über die Herausforderungen als E-Commerce-Startup in einem traditionsgeprägten Markt.

Was genau ist das Innovative an MöbelFirst?

Möbel aus Ausstellungen sind generell schwer zu vertreiben. Es sind Einzelstücke, die oft wie neu sind. Gerade wenn es sich um große Stücke wie Sessel, Sofas, Tische, Schränke, Betten etc. handelt, blockieren sie viel Fläche im Möbelhaus, bis sie einen Käufer finden. Der regionale Händler hat bei sinkenden Frequenzen kein Interesse daran die Ware mit hohen Abschlägen im eigenen Haus zu verkaufen, da er Geld an jedem Kunden verdienen muss. MÖBELFIRST bietet eine  Plattform die Möbel europaweit zu vertreiben. Es ist aber nicht ein reiner Online-Shop sondern auch eine Full-Service Datenplattform, die stationäre Händler als Lieferanten an die Plattform bindet. Wir haben uns auf Marken wie Musterring, Rolf Benz und Stressless spezialisiert. Der Warenkorb ist in der Regel vierstellig. Unsere Kunden sind sogenannte Zweit-Einrichter, also keine Berufsanfänger, die sich die erste eigene Wohnung einrichten, sondern Personen über vierzig Jahre mit solidem Einkommen, die mehr Geld investieren wollen – aber trotzdem gern sparen und die Möbel sofort haben möchten.

Wie seid ihr auf die Idee für MöbelFirst gekommen?

Mein Mit-Gründer Dennis Franken und ich kannten die Möbelbranche bereits gut. Wir haben uns über die Unternehmensberatung Roland Berge kennengelernt. Wir führten 2014 ein Beratungsprojekt im Möbelbereich durch. Ich selbst komme zudem aus einer Kaufmanns- und Möbelhändler-Familie. Wir sahen den Bedarf und hatten bald die Gründungsidee für MÖBELFIRST. Wir haben dann 2015 den Kontakt zum GATEWAY gesucht und uns erfolgreich für das Exist-Gründerstipendium beworben. Mittlerweile sind zu uns beiden Gründern 10 Mitarbeiter*innen hinzugekommen. In den kommenden zwei Jahren planen wir profitabel auf 20 Personen zu wachsen.

Was war bisher die größte Herausforderung für MöbelFirst?

Das waren unterschiedliche Herausforderungen, je nach Phase des Startups. Am Anfang war es wichtig, immer wieder die Idee zu prüfen und die Richtung zu hinterfragen. Wir mussten unsere Geschäftsprozesse finden und entwickeln. Geld war nicht das große Problem. Mein Eindruck ist, dass heutzutage das nötige Kapital gut zu bekommen ist – wenn man ein sehr gutes Gründerteam hat, findet das auch Unterstützer. Später, wenn sich das Startup in den ersten 1-2 Jahren etabliert hat, geht es darum, die richtigen Mitarbeiter*innen für das Führungsteam zu finden. Kompetente, engagierte Leute zu gewinnen, ist gar nicht so einfach. Junge Arbeitnehmer*innen sind anspruchsvoll geworden, da muss man attraktive Konditionen anbieten. Egal ob IT, Vertrieb oder Kundenservice: Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter und Unternehmen müssen zusammenpassen. Letztendlich geht es da um Loyalität und Einsatz, um Geben und Nehmen – wie in auch in anderen Bereich des Lebens.

Unterliegt die Möbelbranche in Deutschland besonderen Risiken?

Der Online-Handel mit Markenmöbeln ist eine Nische, unser Geschäftsmodell also prinzipiell durchaus riskant. Hinzu kommt aber ein großes Branchenrisiko in Deutschland, weil riesige Möbelhausketten den Markt verändern. Hinzu kommt der E-Commerce, also die zunehmende Digitalisierung des Handels. Viele sehen allein im E-Commerce die große Bedrohung für den Einzelhandel, dabei ist es der Wettbewerb mit den großen Möbelhäusern, der die kleinen Möbelläden beschäftigt. Wir stehen dieser Entwicklung optimistisch gegenüber: Bei Risiken entstehen auch immer Chancen – die muss man dann klug nutzen. Das Internet ist eine große Chance für den Mittelstand. Kooperationen in diesem Feld führen zu sinkenden Kosten und rentablem Zusatzgeschäft, z.B. über eine Plattform wie MöbelFirst, die die gesamte Abwicklung über Kundenservice, Werbung, Bestellabwicklung, Bezahlung und Logistik übernimmt.

Inwiefern hat das GATEWAY euch bei der erfolgreichen Gründung geholfen?

Während unserer Zeit im GATEWAY hatten wir Zeit und Raum zum Ausprobieren, das war toll! Es war gut einen Arbeitsort zu haben, getrennt vom privaten Leben. Das GATEWAY-Team unterstützt gut, die sind mit Leidenschaft dabei und brennen für die Gründungsthemen. Ohne die GATEWAY-Beratung hätten wir den erfolgreichen Exist-Antrag nicht geschafft! Anschließend konnten wir Investments von Business Angels einwerben und strategische Partner gewinnen.

Was würdest du jungen GründerInnen bzw. Gründungsinteressierten raten?

Gerade am Anfang ist Geduld sehr wichtig. Es braucht Zuversicht und Durchhaltevermögen, um zwei, drei Jahre lang eine Geschäftsidee zu verfolgen. Wenn Herausforderungen oder Rückschläge kommen, ist es wichtig ein Team mit unterschiedlichen Stärken zu haben und Charaktere, die sich gut ergänzen. Letztendlich kommt es immer auf die Menschen an.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zu MöbelFirst findest Du unter www.moebelfirst.de