„Keine Angst vor dem Austausch mit anderen haben!“

Jurymitglied des Gründungsideenwettbewerb Tanja Zirnstein im Interview

Am 21. Januar 2021 treten im Gründungsideenwettbewerb „start-up your idea“ fünf Finalteams mit ihren Start-up-Ideen gegeneinander an. In einem digitalen Pitch-Wettbewerb müssen sie eine Expert:innenjury und ein Publikum innerhalb weniger Minuten von ihrem Konzept überzeugen. Tanja Zirnstein, Gateway-Alumna und Mitgründerin der Firma UVIS GmbH, ist Jurymitglied und spricht im Interview über Pitches, ihre eigenen Erfahrungen mit Ideenwettbewerben und was für sie echten Gründungsspirit ausmacht.

Du und Deine Mitgründerin Katharina Obladen wart ja eines der ersten Start-up-Teams im Gateway (damals noch der Gründungsservice). Aber Eure Geschäftsidee entstand ja noch viel früher.

Die erste Produktidee hatten wir bereits während unserer gemeinsamen Schulzeit im Jahr 2010, als die Schweinegrippe in Deutschland auftrat und die Themen öffentliche Sauberkeit und Hygiene im Fokus standen. Im Rahmen eines Schülerwettbewerbs reifte die Idee, die Risiken einer Infektion an öffentlichen Orten zu minimieren. So entwickelten wir das UVC-Desinfektionsmodul ESCALITE, welches die Handläufe von Rolltreppen desinfiziert. Diese erste Idee führte dann zu einem patentierten Produkt und legte somit den Grundstein für die spätere Firmengründung. Seitdem arbeiten wir beide hauptberuflich für UVIS und entwickeln unser kleines Unternehmen aus Köln zu einem weltweiten Player in der Fahrtreppen-Branche.

Wie war damals diese frühe Startphase für Dich und Dein Start-up?

Für uns war der Einzug ins Gateway 2015 damals der erste Schritt in Richtung Gründung. Gleichzeitig haben wir noch unser Studium beendet und ich habe für das erste Juristische Staatsexamen gelernt. Es war also auch eine sehr anstrengende Zeit mit vielen Unsicherheiten, aber auch sehr lehrreich mit tollen Erfahrungen.

Ihr habt damals auch an einem Gründungsideenwettbewerb teilgenommen und ihn gewonnen. Was hat das für Euch bedeutet?

Mit jedem Gründungs- oder Businessplan-Wettbewerb ist man vor die Herausforderung gestellt, seine Idee und sein Geschäftsmodell für ein gewisses Publikum zusammenzufassen. Zum einen befasst man sich dadurch schon bei der Bewerbung sehr intensiv mit der eigenen Idee und betrachtet sie von vielen Seiten, was sonst im Alltag leicht untergeht. Zum anderen öffnet man die Idee auch für ein spezielles Publikum und bekommt hier wertvolles und konstruktives Feedback von Dritten, die vorher möglicherweise noch nichts von der Idee gehört haben.

Foto: Udo Geisler

Nun bist Du selbst Teil einer Jury in einem Gründungsideenwettbewerb. Welche Perspektive bringst Du mit in die Expertenjury?

Vor 5 Jahren haben auch wir noch im Gateway gesessen, vor 4 Jahren haben wir gegründet und ich kann mich noch sehr gut an alle damaligen Gegebenheiten und Herausforderungen erinnern. Ich habe also sehr viel Sympathie für die Teams und kann mich gut in diese hineinversetzen. Die Zeit von damals ist gefühlt noch sehr nah, auch wenn wir inzwischen mit UVIS schon sehr viele große Schritte gemacht haben. Das prägt.

Was würdest Du Studierenden also raten, die gerade mit ihrer Idee starten?

Keine Angst vor dem Austausch mit anderen haben! Gründer:innen haben häufig Angst, dass die Idee „geklaut“ werden kann. Allerdings vergessen sie dabei auch, dass jeder auch ein potentieller Kunde sein kann, oder vielleicht den Kontakt zu einem potentiellen, großen Kunden herstellen kann. Abgesehen davon, ist das Feedback von Dritten ungemein wichtig.

Die Finalteams werden ja in einem Pitch ihre Ideen vorstellen. Worauf wirst Du achten, was ist Dir wichtig?

Der Pitch sollte verständlich sein – klingt einfach, ist es häufig aber nicht. Es sollte jeder verstehen, was die Gründungsidee ist und wie das Geschäftsmodell aussehen soll. Das macht es für das Publikum spannender und hilft auch uns in der Jury, denn auch wir sind nicht auf jedem Gebiet Profis.

Was braucht es, um zu gründen Deiner Meinung nach? Was ist für Dich dieser viel zitierte Gründer:innen-Spirit?

Man muss eine gute Idee haben, davon überzeugt, aber auch ehrgeizig und vor allem kritikfähig sein. Das ist ist wichtig!

Über UVIS

Die Kölner Firma UVIS UV-Innovative Solutions GmbH wurde 2016 von Katharina Obladen und Tanja Zirnstein (geb. Nickel), gegründet. Die erste Produktidee entstand während der Schulzeit im Jahr 2010. Im Rahmen eines Schüler*innenwettbewerbs reifte die Idee, die Risiken einer Infektion an öffentlichen Orten zu minimieren. Diese erste Idee führte zu einem patentierten Produkt UVC-Desinfektionsmodul ESCALITE und legte somit den Grundstein für die spätere Firmengründung 2016. Inzwischen arbeitet UVIS mit allen Fahrtreppenherstellern partnerschaftlich zusammen und setzte in Deutschland diverse Projekte um, wie z.B. in Hamburg in der Elbphilharmonie sowie weltweit in Zürich, Singapur und Australien.