frag Paul

Website:frag-paul.de
Branche: Service

„Man muss für seine Gründungsidee brennen“

Marc Stratmann von fragPAUL vereinfacht das Personalmanagement in Restaurants

Marc Stratmann und Peter Praeder haben sich während ihres Studiums an der Universität zu Köln kennengelernt. Ihr Unternehmergeist und Ideenreichtum verband sie von Anfang an. Mit ihrer Software fragPAUL wollen sie das Personalmanagement im Gastronomie-Bereich erleichtern. Valerie Lukassen von GATEWAY sprach mit Marc Stratmann über Höhen und Tiefen des Startup-Lebens.

Wie kamt ihr auf die Idee fragPAUL zu gründen?

Ich kenne die komplexen Herausforderungen von Restaurantbetreibern nur zu gut. Ich bin privat eng mit der Branche verbunden, quasi im Restaurant aufgewachsen. Das Personalmanagement in einem Gastronomiebetrieb kostet Führungskräften und Mitarbeitenden viel Zeit und Nerven. Von der Personaleinstellung bis hin zur Schichtplanung, Zeiterfassung, Urlaubsplanung, Lohnabrechnung –  da muss viel Papierkram erledigt werden. Dabei würden die Restaurantkräfte viel lieber ihre Energie ins Kochen stecken, oder in ein tolles Event – in Dinge, die ihnen Spaß machen.

Bereits 2008 hatte ich die Idee, eine intelligente Software zu entwickeln, um dieses konkrete Alltagsproblem zu lösen. Damals gab es noch nicht mal WhatsApp-Gruppen, Onlinekalender etc. Sondern man nahm Stift und Papier – ein Riesenaufwand! Ich habe dann recht flott einen Prototyp für Schichtplanung und Zeiterfassung erstellt, der auch gut in der Branche ankam. Darauf aufbauend haben wir 2015 eine intuitive und innovative Software entwickelt, die Nutzer durch die bürokratischen Schritte bei der Personaleinstellung führt und wiederkehrende Tätigkeiten automatisiert. fragPAUL ist also nicht einfach eine App zur Zeiterfassung, sondern ein intelligenter Personalassistent.

Woher wusstet ihr, wie ihr es am besten angeht?

Als Gründer muss man nicht jedes Detail fachlich fundiert wissen, es reicht ein Grundverständnis für die relevanten Themen. Es ist wichtig, die eigene Expertise richtig einzuschätzen und Ideen zu haben, wo man zusätzlich notwendiges Wissen herbekommt. Ich habe BWL studiert und kenne die Branche. Mein Mit-Gründer Peter Praeder ist Informatiker und hatte bereits erste Erfahrung mit Gründungen. Unser eigenes Know-how ergänzen wir durch das juristische Wissen meines Vaters – er ist Arbeitsrechtler – und ein Partnerunternehmen für die Lohnabrechnung.

Wir hatten zunächst eine andere Gründungsidee zum Thema Werbung, die auch für eine Exist-Förderung infrage gekommen wäre. Der Antrag dafür ist aber relativ aufwändig und dafür hatten wir keine Geduld. Wir wollten gleich loslegen – und das ging mit fragPAUL!

Mit fragPAUL habt ihr die richtige Welle erwischt. Euer Produkt hat schnell Interesse geweckt und ihr wurdet in Accelerator-Programme aufgenommen…

Unser Produkt fand sofort Interesse bei Kunden – und zwar nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda! Nicht nur Gastronomen, auch andere Branchen waren an solchen Lösungen interessiert. Wir wurden 2016 in ein Accelerator-Programm der Universität Leipzig aufgenommen und direkt danach in ein Accelerator-Programm der Metro-Group. Das war eine sehr lehrreiche Zeit. Uns wurde klar, dass wir uns wirklich auf unsere Kern-Kompetenz fokussieren müssen, d.h. den Bürokratie-Abbau in kleinen bis mittelständischen Unternehmen aus dem Gastgewerbe – Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, Catering. Darüber hinaus wurde uns bewusst, dass wir noch viel stärker die Sicht des Kunden berücksichtigen müssen, statt nur nach unseren eigenen Vorstellungen zu handeln. Daher haben wir das Produkt fragPAUL genannt – wir hatten ursprünglich einen anderen Namen.

Der Metro-Group stehen wir bis heute nahe; wir sind ja in der gleichen Branche unterwegs. Metro ist unser strategischer Partner, über den wir viele Kunden gewinnen.

fragPAUL ist sehr schnell gewachsen, ihr habt inzwischen 16 Mitarbeiter. Was war eure größte Herausforderung?

Ehrlich gesagt, war unser schnelles Wachstum die größte Herausforderung. Das war aber natürlich ein sehr motivierendes Problem! Wir mussten vieles gleichzeitig machen – einen Kundenstamm aufbauen und gleichzeitig ein Team aufbauen. In der heißen Phase von Januar bis September 2017 haben wir viele Fehler gemacht, aber auch viel gelernt!

Was waren das für Fehler und wie habt ihr daraus gelernt?

Beispielsweise waren wir auf einer großen Messe und hatten uns als Ziel gesetzt, 200 Kontakte zu knüpfen. Stattdessen hatten wir danach über 1000 Kontakte und direkt auf der Messe noch einige Verträge geschlossen und Sonder-Konditionen vereinbart – wir wussten gar nicht, wie wir das alles professionell erfassen und nachhalten sollten. Da kann man schnell den Überblick verlieren. Also haben wir schnell ein CRM System gekauft (Anm. Customer-Relationship-Management-System zum Management von Kundendaten), das aber gar nicht zu unseren Bedarfen passte. Schlussendlich haben wir im laufenden Geschäft vier Systeme ausprobiert, bis wir das richtige für uns gefunden hatten. In einem großen Unternehmen würde sich mit der Beschaffung eines CRM-Systems ein Team befassen, testen, abwägen, entscheiden – wir mussten einfach machen, irgendwie improvisieren.

Wir mussten außerdem passende Leute für den Vertrieb finden und einarbeiten, wir haben ja ein recht erklärungsbedürftiges Produkt. Auch eine gute Kundenbetreuung hatten wir noch nicht; man sollte aber für Kundenfragen immer erreichbar sein, um deren Vertrauen zu behalten.

Wie hat euch das GATEWAY hat rückblickend geholfen?

Als Student oder frischer Absolvent hat man eine Geschäftsidee und will die groß machen, ohne zu wissen, wie das geht. Es fühlt sich mitunter so an, als würde man in die Wüste aufbrechen ohne Wasser. Da sucht sich man am besten erfahrende Mitreisende und braucht Hinweise, wo Wasser zu finden ist. Mein Mit-Gründer Peter hatte mit FoodLoop bereits Erfahrung gesammelt und kannte das GATEWAY-Team. Peter kannte auch andere GATEWAY-Startups, mit denen wir uns anfangs viel ausgetauscht haben, z.B. Tagxter, Möbelfirst.

Die Gründungsberatung durch das GATEWAY fanden wir hilfreich, da wurden wir immer wieder in die richtige Richtung geschubst. Die Offenheit der GATEWAY-Coaches war toll, denen ging es nicht gleich um potentielle Umsätze und Gewinne. So bekommt eine gute Idee erstmal ihren Raum und kann in Ruhe wachsen.

Was würdest du Gründungsinteressierten raten?

Man sollte aus Leidenschaft gründen und nicht weil es „cool“ ist. Nehmt ein konkretes Problem und bietet dafür eine 100% passenden Lösung an. Lasst euch nicht demotivieren durch Bedenken anderer Leute. Brennt für eure Idee und seid mit Spaß bei der Sache – das ist der Motor, der euch antreibt!

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zu fragPAUL finden Sie unter www.frag-paul.de