Sumteq im Interview

„Vom Wissenschaftler zum ,Zehnkämpfer‘“

Dr. Alexander Müller hat nach der Promotion das High-Tech-Startup SUMTEQ gegründet.

Das Startup SUMTEQ GmbH wurde 2014 von Dr. Alexander Müller, Dr. Roland Oberhoffer und Michael Hoffmann gegründet. SUMTEQ stellt mithilfe eines patentierten Verfahrens Polymer-Nanoschäume mit hervorragenden Dämmeigenschaften her. GATEWAY hat die Gründer von Anfang an unterstützt. Valerie Lukassen unterhielt sich mit Alexander Müller über die Herausforderungen als Wissenschaftler zu gründen.

Was genau ist das Innovative in eurem Produkt?

Unser Produkt ist Schaum mit besonders feiner Porenstruktur, ein so genannter Polymer-Nanoschaum. Aufgrund dieser Eigenschaft ist er sehr gut für Wärme-Isolierung geeignet. Die meisten Leute denken natürlich bei Dämmstoffen zuerst an Hausdämmung – unser Schaum entspricht aber viel höheren Anforderungen und kommt beispielsweise in Kühl- und Gefrierschränken oder in der Logistik zum Einsatz. Unser wichtigster Partner ist die Firma va-Q-tec, die unseren Hochleistungs-Dämmstoff in Vakuum-Isolations-Paneelen von Kühlboxen einbaut. Es gibt noch viele weitere Einsatzbereiche; wir verhandeln derzeit mit verschiedenen potentiellen Partnern.

Wie seid ihr auf eure Gründungsidee gekommen?

Ich habe an der Universität zu Köln im Bereich Physikalische Chemie promoviert. Aus dieser Zeit kenne ich Roland Oberhoffer, der an einem ähnlichen Thema forschte. Als wir den Schaum mit besonderer Porenstruktur hergestellt hatten, waren wir uns sicher, dass die Industrie Verwendung dafür haben wird. Daher haben wir nach dem Abschluss der Promotion 2013 weiter daran gearbeitet. Wir haben in Michael Hoffmann einen dritten Gründer für den Schwerpunkt Finanzen gefunden. Gemeinsam mit Professor Strey, unserem früheren Promotionsbetreuer von der Uni Köln, haben wir dann die SUMTEQ GmbH gegründet, damit wir eine juristische Grundlage für die weiteren Schritte haben.

Inwiefern hat das GATEWAY und die Uni Köln euch bei der erfolgreichen Gründung geholfen?

Wir haben direkt nach der Promotion den Kontakt zum GATEWAY gesucht. Dort wurden wir auf den NUK Businessplan-Wettbewerb hingewiesen und bei der Bewerbung unterstützt. Dabei waren wir mit unserem Konzept durch mehrere Runden erfolgreich, was die Basis für unseren weiteren Weg war. Glücklicherweise konnten wir die Labore im Institut für Physikalische Chemie der Uni Köln weiterhin nutzen, um unser Produkt zu entwickeln. Im GATEWAY beschäftigten wir uns vor allem mit der Gründung unseres Startups. Wir hatten dort jeder unseren festen Arbeitsplatz und konnten uns in den Besprechungsräumen mit potentiellen Investoren treffen – das wäre im Chemie-Labor nicht gut gegangen. Nach der ersten erfolgreichen Kapitalrunde 2015 sind wir dann ins COPT-Zentrum der Uni Köln umgezogen.

Was war bisher die größte Herausforderung für SUMTEQ?

Die größte Herausforderung war es für uns vom Wissenschaftler zum „Zehnkämpfer“ zu werden. Denn wir haben schnell gemerkt, dass unser technisches Know-how nur ein Aspekt unter vielen ist, wenn es darum geht eine Firma zu gründen. Marketing, Vertrieb und Finanzen waren nur ein paar unter vielen neuen Themen, die auf uns zu kamen. Allerdings hatten wir durch unsere Ausbildung ein gutes Fundament und in Kombination mit dem Businessplanwettbewerb von NUK konnten wir uns schnell grundlegendes Wissen in den wichtigsten Themenbereichen aneignen.

Darüber hinaus lagen die Patentrechte gemäß Arbeitnehmer-Erfindergesetz zunächst bei der Uni, weil wir die Forschung während unserer Promotion durchgeführt hatten. Diese mussten dann an unser Startup übertragen werden, damit wir eigenständig wurden und Investoren finden konnten. Weil wir ein Präzedenzfall waren, wurde das ein langer juristischer Prozess, bei dem beide Seiten viel Geduld beweisen mussten.

Was sind eure Pläne für das nächste Jahr?

Anfang 2019 werden wir nach Düren in den Chemie-Park umziehen. Wir haben derzeit 11 Mitarbeiter inklusive uns Gründern, da wird es in unseren aktuellen Räumen langsam eng. Mitte 2018 hatten wir unsere zweite sehr erfolgreiche Kapitalrunde und können expandieren. In Düren können wir unsere eigene, Klein-Serienproduktion starten und unser Team vergrößern.

Was würdest du jungen GründerInnen bzw. Gründungsinteressierten raten?

Achte auf dein Bauchgefühl – damit liegt man meist richtig. Als frischer Gründer muss man viele Entscheidungen treffen, deren Folgen man nicht immer abschätzen kann. Egal ob bei Investoren oder strategischen Überlegungen – das eigene Gefühl trügt selten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Infos über das Unternehmen findet ihr hier.